
Baden Powell
Gründer der Pfadfinderbewegung
Kindheit
Robert Stephenson Smyth wurde als siebenter von acht Söhnen unter insgesamt zehn Kindern geboren.
Sein Vater hatte außerdem vier weitere Kinder aus einer früheren Ehe. Er wurde von seiner Mutter
aufgezogen, da sein Vater (Professor für Theologie und Geometrie an der Universität Oxford) starb,
als er drei Jahre alt war. Sein außergewöhnlicher Vorname setzt sich aus Namensteilen seiner Vorfahren
Robert Stephenson, einem Eisenbahnpionier, und John Smyth, einem Kapitän, der in Diensten Elisabeth I.
von England stand, zusammen. Rufname wurde später Bi-Pi (sein Rufname bei den Pfadfindern, auch: B.P.).
Der Großvater weckte im jungen Robert die Abenteuerlust und die Freude an der Natur. So suchte er zusammen
mit ihm oftmals den Hyde Park auf, von dem er äußerst genaue Karten zeichnete. Als sein Großvater starb,
unternahm Baden-Powell zahlreiche Streifzüge durch die Armenviertel der Stadt und lernte so das Leid und das
Elend dieser Menschen kennen. Schon damals kam er zu der Überzeugung, etwas daran ändern zu müssen. Der
damals 8-jährige Baden-Powell erkannte, dass die Bewohner der Armenviertel sich hauptsächlich durch die
Kleidung von den anderen zu unterscheiden schienen. Dies wollte er ändern und dies war wohl einer der
wichtigsten Faktoren für die Entscheidung, die Pfadfinderkluft einzuführen. Während seiner Schulzeit nutzte
Baden-Powell jede freie Minute, um Spuren der Tiere zu suchen und den Wald kennenzulernen. In den Ferien ging
er oft mit seinen Freunden zum Campieren. Die Ferienfahrten mit den Brüdern verhalfen "Stevie", wie er im
Familienkreise genannt wurde, zu Erfahrungen, die in seinem späteren Leben noch eine große Rolle spielen sollten.
Indien
Er wurde 1876 nach Indien versetzt, wo er in seiner Freizeit in den Dschungel schlich und die wilden Tiere
beobachtete. Auch organisierte er Theateraufführungen innerhalb der Garnison, machte erste Erfahrungen mit
Jugendgruppen und erkannte bereits früh die Fehler der britischen Kolonialherrschaft, welche die Inder wie
„unterentwickelte Briten“ und nicht wie Menschen mit einer anderen, aber großen Kultur behandelte. Auch unternahm
er wieder, nachdem er privat Hindi gelernt hatte, Streifzüge in die Armenviertel. Hier entwickelte er auch das
berühmte „System der kleinen Gruppen“: Er fasste die Soldaten in Gruppen von fünf bis acht Mann zusammen; diese
wählten dann einen Patrouillenleiter aus ihren Reihen. So förderte er Verantwortungsbewusstsein und eigenständiges
Denken der Soldaten. 1880 wurde ihm befohlen, das Schlachtfeld von Maiwand, Schauplatz einer fürchterlichen
Niederlage der Briten im Krieg gegen die Afghanen, zu kartographieren. An diesem grausamen Ort mit seinen halb-
skelettierten Menschen und Pferden, den Hyänen, kamen ihm die ersten großen Zweifel am Sinn von Kriegen. Wegen
seiner Fähigkeiten im Spurenlesen, die er in zahlreichen Fällen unter Beweis gestellt hatte, wurde er beauftragt,
die Spurenleser (Scouts) auszubilden.
Afrika
Aufgrund der explosiven Situation in Südafrika wurde er mit seinem Regiment, den 13. Husaren, dorthin versetzt.
Er war auch hier durch sein in Indien verfasstes Buch „Nachrichtendienst und Kundschafterwesen“ bereits eine
Berühmtheit. Sein erster Auftrag war, als Reporter verkleidet, die Drakensberge, eine schier unüberwindbare natürliche
Grenze zu den Burenstaaten, zu erkunden.
Er besuchte Zulus und Buren in ihren Siedlungen und kehrte mit hervorragenden Karten und der Hoffnung auf eine friedliche
Lösung zurück. 1885 wurde er, da sich die Lage beruhigt hatte, zusammen mit seinem Regiment nach England versetzt,
doch las man bald wieder beunruhigende Nachrichten über Südafrika. Der Zulukönig Dinizulu sammelte in einem Geheimbund,
der inzwischen circa 16.000 Zulus umfasste, immer mehr Leute und führte sie in einen Zweifrontenkrieg gegen Briten und Buren.
Da Briten und Buren die Zulus abwehren mussten, hatten Goldgräber und Sklavenhändler freie Hand. Dies versetzte die Region noch
weiter in Unruhe. Hier sollte erwähnt werden, dass auch 2.000 Zulus auf englischer Seite mitkämpften; diese hatten den Schotten
John Dunn zu ihrem Häuptling gewählt.
Aufgrund seiner guten Ortskenntnisse und, wie damals vor allem Neider behaupteten, vielleicht auch, weil sein Onkel Oberbefehlshaber
war, wurde Baden-Powell als Adjutant im Range eines Hauptmanns wieder nach Afrika versetzt. Dort forderte er als erstes, nach einem
erschütternden Erlebnis, mit Erfolg die Ausbildung von Soldaten in Erster Hilfe. Er machte sich sofort auf die Suche nach Dinizulu,
den er in seinem Versteck fand und den er dann zusammen mit nur einem Gefährten daraus vertrieb. Kurz darauf wurde Dinizulu gefasst
und B.P. vorzeitig zum Major befördert. Dinizulus Anhänger schlossen nach ihrer Festnahme ohne weiteren Widerstand Frieden mit den
Briten.
Danach verbrachte B.P. ein Jahr als Soldat auf Malta und zwei Jahre als Geheimagent mit dem Zeichnen von Befestigungsanlagen auf dem
Balkan; dann wurde er auf persönlichen Wunsch nach England zurückversetzt. 1895 wurde er aufgrund des Krieges mit dem Volk der Ashanti
wieder nach Afrika versetzt. Er war an der Gefangennahme des letzten souveränen Asantehene (König) der Aschanti, Pempreh, beteiligt,
der damals fünfzehn Jahre alt war. Dieser wurde 1919 Gründungsmitglied der Pfadfinder in Ghana.
Kaum war Baden-Powell nach England zurückgekehrt, musste er schon wieder nach Afrika. Im sogenannten Matabele-Land, nördlich von Transvaal,
war eine Revolte der Einheimischen ausgebrochen, und rasch waren die weit verstreut lebenden Briten entweder getötet worden oder in die
Provinzhauptstadt Bulawayo geflohen, doch auch dieser drohte nun ein Angriff durch etwa 10.000 Matabele-Krieger, die sich in den umliegenden
Bergen verschanzt hatten. Baden-Powell stellte sich gegen eine militärische Lösung, die ein Blutbad bedeutet hätte, und nahm den Anführer
des Aufstandes, einen Medizinmann namens Uwini, gefangen, der glaubte, aufgrund der Einwirkung eines Gottes unsterblich zu sein und
alle Weißen töten zu müssen. Hier erhielt er auch von den Matabele seinen Spitznamen: Impeesa (Der Wolf, der nie schläft). Da die
Einheimischen an Uwinis Unsterblichkeit glaubten, setzten sie jedoch ihren Widerstand fort; erst als Baden-Powell Uwini töten ließ,
endete der Widerstand. Diese Entscheidung war nach Baden-Powells eigener Aussage „eine der schwierigsten seines Lebens“.
Quelle: www.wickipedia.org
